Das Veilchen und der Schmetterling

Das Veilchen und der Schmetterling

Ein Veilchen stand
An Baches Rand,
Und sandte ungesehen
Bei sanftem Frühlingswehen
Süßen Duft
Durch die Luft.
Da kommt auf schwankendem Flügel
Ein Schmetterling über den Hügel,
Und senket zur kurzen Rast
Zum Veilchen sich nieder als Gast.

Schmetterling:
Ei! Veilchen! wie du töricht bist,
Zu blühn, wo niemand dein genießt!

Veilchen:
Nicht ungenossen blüh’ ich hier,
Ein Schäfer kommt gar oft zu mir,
Und atmet meinen Duft und spricht:
„Ein solches Blümchen fand ich nicht,
Wie Veilchen du! auf Wiesen, Auen,
Ist keines mehr wie du zu schauen!“

Schmetterling:
’s ist schöner doch, glaub meinem Wort,
Zu blühn auf freier Wiese dort,
In jener bunten Blumenwelt,
Als hier im dunklen Schattenzelt!

Veilchen:
Hier bin ich meines Schäfers Wonne,
Dort aber bleichet mich die Sonne,
Und ohne Farbe ohne Duft,
Find’ ich zu früh dort meine Gruft.
Drum blüh’ ich in der Einsamkeit,
Wenn auch nur Einer mein sich freut.

Nikolaus Lenau (1802-1850)

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4 Responses to Das Veilchen und der Schmetterling

  1. Avatar von wibiwonders wibiwonder sagt:

    Sehr schön – danke xx

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  2. Ein Gedicht voller Symbolik, vielen Dank. Liebe Grüsse, Elisa

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  3. Ein Gedicht mit großer Wahrnehmung und Einfachheit, vor allem in unserer Zeit, es freut uns sehr. Liebe Grüße vom Weingartenpfirsichhof.

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